
Ende September 2026 hat McLaren einen neuen Schriftzug vorgestellt: Großbuchstaben, eine eigene Schrift namens McLaren Sans, neue Markenfarben. Auf den ersten Blick ist das ein klassisches Rebranding.
Auf den zweiten Blick ist es etwas anderes. McLaren hat die Marke nicht neu erfunden. Das Unternehmen hat in der eigenen Geschichte gesucht und dort gefunden, was es braucht.
Für KMU in Österreich ist genau das die relevante Lektion. Es geht nicht darum, wie ein internationaler Hersteller sein Logo gestaltet. Es geht darum, wie du eine Marke weiterentwickelst, ohne aufzugeben, was sie ausmacht.
CHAPTER 1: DER ANLASS
Das Rebranding von McLaren passiert nicht im luftleeren Raum. Laut TFLcar fällt es mit einer Investition von über 500 Millionen US-Dollar und einem geplanten SUV zusammen. Das Unternehmen verändert sich. Die Marke zieht nach.
Das ist der Punkt, den viele übersehen: Ein neues Logo ist kein Selbstzweck. Es ist die sichtbare Antwort auf eine Veränderung, die bereits stattfindet.
Bei KMU sieht der Auslöser oft anders aus. Die neue Geschäftsführung will ein Zeichen setzen. Das Logo wirkt nach Jahren „irgendwie alt“. Die Konkurrenz hat gerade neu gebrandet. Das sind Gefühle, keine Anlässe.
Echte Anlässe sind zum Beispiel ein neues Geschäftsfeld, eine Fusion, eine Nachfolge mit neuer Ausrichtung, eine veränderte Zielgruppe oder ein Logo, das technisch nicht mehr funktioniert, etwa weil es auf dem Smartphone unleserlich ist.
Wenn du keinen solchen Grund nennen kannst, brauchst du vermutlich kein Rebranding. Sondern Konsequenz in der Anwendung dessen, was du schon hast.
CHAPTER 2: DIE QUELLE
Der neue McLaren-Schriftzug ist laut Carscoops vom Schild der Familientankstelle in Remuera inspiriert, einem Stadtteil von Auckland. Bei den Farben geht McLaren noch weiter: Alle neuen Markenfarben, also Papaya, Ember, Midnight, Black, Anthracite, Colnbrook und Mist, stammen aus einem einzigen Foto von Bruce McLaren.
Das ist kein Designtrick. Das ist eine Haltung. Die Antwort auf die Frage „Wer sind wir?“ liegt nicht in einem Moodboard voller fremder Marken. Sie liegt im eigenen Archiv.
Jedes KMU hat so ein Archiv. Das erste Firmenschild. Alte Briefköpfe. Fotos aus der Gründungszeit. Die Werkstatt, das Geschäftslokal, die Produkte von damals. Darin stecken Formen, Farben und Geschichten, die niemand kopieren kann, weil sie nur dir gehören.
Der Vorteil ist doppelt. Erstens wirkt das Ergebnis glaubwürdig, weil es tatsächlich aus dem Unternehmen kommt. Zweitens erkennen bestehende Kunden die Marke wieder, auch wenn sie frischer aussieht.
CHAPTER 3: WEITERENTWICKELN STATT ERSETZEN
Ein Logo zu ersetzen bedeutet, Wiedererkennung aufzugeben, die über Jahre aufgebaut wurde. Ein Logo weiterzuentwickeln bedeutet, diese Wiedererkennung mitzunehmen und gleichzeitig aufzuräumen.
In der Praxis heißt das: Bevor du etwas veränderst, klärst du, was bleibt. Diese Fragen helfen dabei:
Was verbinden Kunden heute mit deiner Marke? Farbe, Form, Name oder Symbol?
Welche Elemente funktionieren technisch nicht mehr, zum Beispiel als Favicon, als Social-Media-Profilbild oder auf dunklem Hintergrund?
Wo gibt es Wildwuchs, etwa drei verschiedene Grüntöne oder Schriften, die nie bewusst gewählt wurden?
Was aus deiner Geschichte ist stark genug, um die Weiterentwicklung zu tragen?
Oft ist das Ergebnis kein neues Logo, sondern ein geschärftes: eine klar definierte Schrift, eine reduzierte Farbpalette mit nachvollziehbarer Herkunft, ein Zeichen, das in allen Größen funktioniert. McLaren hat mit McLaren Sans eine eigene Schrift entwickelt. Für ein KMU muss es nicht gleich eine eigene Schrift sein. Eine bewusste Auswahl und klare Regeln bringen dich oft schon sehr weit.
CHAPTER 4: DIE EINFÜHRUNG
Laut CarExpert wird das neue McLaren-Logo schrittweise auf Fahrzeuge, Merchandise und digitale Kanäle ausgerollt. Das erste Modell mit dem neuen Auftritt ist der McL 6GT.
Schrittweise heißt nicht zögerlich. Es heißt geplant. Für KMU ist das meist der realistischere Weg. Nicht alle Drucksorten, Fahrzeugbeschriftungen und Schilder müssen an einem Stichtag getauscht werden. Zuerst kommen die Kanäle mit hoher Sichtbarkeit und geringen Umstellungskosten: Website, Social Media, E-Mail-Signaturen. Physische Elemente folgen, wenn Bestände aufgebraucht sind oder ohnehin eine Erneuerung ansteht.
Damit das funktioniert, braucht es eine gemeinsame Grundlage: ein Brandbook, das festlegt, wie Logo, Farben und Schrift eingesetzt werden. Ohne diese Regeln entsteht in der Übergangsphase genau der Wildwuchs, den du eigentlich beseitigen wolltest.
Noch ein Punkt: Ein Anlass macht die Einführung leichter. McLaren verknüpft das neue Logo mit einem neuen Modell. Du kannst es mit einem neuen Angebot, einem Jubiläum oder einem Standortwechsel verbinden. So bekommt die Veränderung eine Geschichte, die du deinen Kunden erzählen kannst.
CHAPTER 5: FAZIT
McLaren zeigt, dass ein Rebranding nicht mit einem leeren Blatt beginnen muss. Das Unternehmen hatte einen echten Anlass, hat in der eigenen Geschichte nach Material gesucht und führt das Ergebnis geplant ein.
Diese drei Schritte funktionieren auch ohne großes Budget. Ein KMU, das seinen Anlass kennt, seine Geschichte ernst nimmt und die Einführung plant, bekommt eine Marke, die frischer wirkt und trotzdem wiedererkannt wird.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob dein Logo modern genug ist. Sondern ob es noch erzählt, wer du bist und wohin du willst.
Ein gutes Rebranding fühlt sich für Kunden nicht wie ein Bruch an, sondern wie der nächste logische Schritt.
Prüf zuerst deinen Anlass, dann dein Archiv und erst danach dein Logo.


